Kurz gesagt: Das Haaranalyse-Ergebnis einer Trichoskopie, eines Trichogramms oder einer digitalen Kopfhautanalyse beschreibt, wie Haar und Kopfhaut unter Vergrößerung aussehen: Haardichte, Haare pro Follikeleinheit, Haarschaftdurchmesser und dessen Variabilität, miniaturisierte Haare, das Verhältnis von wachsenden zu ruhenden Haaren sowie Kopfhautzeichen wie Schuppung oder Rötung. Referenzwerte hängen von Gerät und Messareal ab, ein einzelner Trichogramm-Befund ist nur eine Momentaufnahme, und die Diagnose stellt eine Fachperson.
Wenn Sie gerade einen Kopfhautanalyse-Bericht voller Zahlen, Prozentwerte und Nahaufnahmen erhalten haben, führt Sie dieser Leitfaden Schritt für Schritt durch die Interpretation Ihrer Haaranalyse: was die einzelnen Messwerte bedeuten, welche Befunde Aufmerksamkeit verdienen, was der Bericht nicht aussagen kann und welche Fragen Sie Ihrer Fachärztin oder Ihrem Facharzt stellen sollten.

Zunächst: Von welcher Haaranalyse sprechen wir?
In der Trichologie bedeutet „Haaranalyse“ die Untersuchung von Haar und Kopfhaut unter Vergrößerung: die Trichoskopie (mit einem Dermatoskop oder einer Digitalkamera auf der Kopfhaut), das Trichogramm (eine kleine Probe epilierter Haare, die unter dem Mikroskop untersucht wird) oder das Phototrichogramm, bei dem dasselbe Areal im Abstand weniger Tage fotografiert wird, um zu sehen, wie viele Haare wachsen. Wenn diese Methoden neu für Sie sind, beginnen Sie am besten mit unserem Grundlagenkapitel zu Trichogramm und Trichoskopie und unserem Beitrag darüber, was eine Trichoskopie ist und wie sie durchgeführt wird.
Nicht gemeint ist die sogenannte „Haarmineralanalyse“ oder toxikologische Haaruntersuchung, bei der Substanzen in abgeschnittenen Haarschäften gemessen werden. Solche Tests werden mitunter als Methode zur Erkennung von Nährstoffmängeln beworben, doch diese Anwendung ist wissenschaftlich nicht ausreichend belegt: Haarmineralanalysen sind kein zuverlässiges Mittel, um einen Mangel zu diagnostizieren; dafür verwenden Ärztinnen und Ärzte Blutuntersuchungen. Alles Folgende bezieht sich auf die bildgestützte Analyse.
Noch ein Hinweis, bevor Sie eine einzige Zahl lesen: Die Referenzbereiche in einem Kopfhautanalyse-Bericht hängen vom Gerät und seiner Software, von der Methode, dem genau gemessenen Areal, Ihrem Alter, Ihrer ethnischen Herkunft sowie Ihrer Haarfarbe und Ihrem Haartyp ab. Eine Kopfhaut mit feinem blondem Haar und eine mit kräftigem dunklem Haar können gleichermaßen gesund sein und dennoch sehr unterschiedliche Werte liefern. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse mit den Referenzwerten Ihrer Praxis oder Ihres Geräts, nicht mit Zahlen aus dem Internet; die folgenden Abschnitte verzichten bewusst auf die Nennung von „Normalwerten“.
Haardichte und Follikeleinheiten
Die Haardichte wird als Haare pro Quadratzentimeter (Haare/cm²) im erfassten Areal angegeben. Viele Berichte nennen zusätzlich die Dichte der Follikeleinheiten, also die Zahl der Follikelgruppen im selben Quadratzentimeter, und berechnen daraus die Haare pro Follikeleinheit.
- Haare pro Follikeleinheit: Einheiten mit zwei oder drei Haaren sind das übliche Bild einer gesunden Kopfhaut. Ein hoher Anteil an Einheiten mit nur einem Haar kann auf eine Miniaturisierung hindeuten, also auf das allmähliche Schrumpfen der Follikel, wie es beim androgenetischen Haarausfall zu beobachten ist.
- Dichte je Areal: Ein Bericht, der neben der Stirn- oder Scheitelregion auch den Hinterkopf (das okzipitale Areal) erfasst, ist aussagekräftiger als eine einzelne Messstelle, denn das okzipitale Areal dient häufig als interne Referenz, mit der die übrigen Bereiche verglichen werden.
- Leere Follikel: Follikelöffnungen ohne sichtbares Haar können während einer Phase verstärkten Haarausfalls auftreten oder dort, wo Follikel keinen sichtbaren Schaft mehr bilden.
Haarschaftdurchmesser, Variabilität und miniaturisierte Haare
Der Haarschaftdurchmesser beschreibt die Dicke der einzelnen Haare und wird meist als Durchschnittswert zusammen mit einem Maß für die Variabilität angegeben (wie stark sich die Haare eines Areals voneinander unterscheiden). Zwei Werte verdienen bei der Interpretation des Haaranalyse-Ergebnisses besondere Beachtung:
- Variabilität des Durchmessers: Bei der androgenetischen Alopezie unterscheiden sich die Haare eines Areals in der Regel stärker voneinander, mit einem zunehmenden Anteil dünner Haare, vor allem in der Stirn- und Scheitelregion im Vergleich zur okzipitalen Referenz.
- Anteil an Vellushaaren oder miniaturisierten Haaren: Das sind dünne, kurze, schwach pigmentierte Haare. Ein steigender Anteil in den androgensensiblen Arealen gehört zu den typischen Zeichen, auf die die Fachperson achtet.
Ein niedriger durchschnittlicher Durchmesser ist für sich genommen nicht beunruhigend, wenn er auf der gesamten Kopfhaut einheitlich ist und zu Ihrem Haartyp passt. Aussagekräftig sind das Muster, der Vergleich zwischen den Arealen und die Veränderung im Zeitverlauf.
Trichogramm-Befund: Anagen-, Telogen- und dystrophische Haare
Ein Trichogramm oder Phototrichogramm gibt den Anteil der Haare in den einzelnen Phasen des Haarzyklus an. Anagenhaare wachsen; Telogenhaare befinden sich in der Ruhephase und werden demnächst abgestoßen. Auf einer gesunden Kopfhaut befindet sich zu jedem Zeitpunkt die große Mehrheit der Haare in der Anagenphase, und das Haar wächst in dieser Phase etwa 1 cm pro Monat.
- Ein höherer Telogen-Anteil als erwartet spricht für vermehrten Haarausfall, etwa beim telogenen Effluvium, das häufig einige Monate nach einem Auslöser (Krankheit, Geburt, eine belastende Lebensphase, eine Medikamentenumstellung) auftritt.
- Dystrophische Haare haben abnorm geformte Wurzeln und können auftreten, wenn das Wachstum abrupt gestört wurde.
- Abgebrochene Haare weisen meist auf eine Brüchigkeit des Haarschafts hin, können aber auch bei bestimmten Kopfhauterkrankungen vorkommen.
Beachten Sie, dass der Trichogramm-Befund stark von den Untersuchungsbedingungen abhängt: Der Zeitpunkt der letzten Haarwäsche, die Art der Probenentnahme und das gewählte Areal beeinflussen die Prozentwerte. Ein Grund mehr, die Ergebnisse gemeinsam mit der Fachperson zu besprechen, die die Untersuchung durchgeführt hat.
Kopfhautbefunde in Ihrem Bericht
Neben den Haarmesswerten beschreibt ein Kopfhautanalyse-Bericht auch die Haut selbst. Manche Befunde sind vor allem dermokosmetischer Natur; andere sind Hinweise darauf, dass eine ärztliche Abklärung nötig ist.
- Talg (Sebum) und Fettigkeit: Ein glänzender Film, fettige Rückstände oder verstopfte Follikelöffnungen weisen auf eine fettige Kopfhaut hin.
- Schuppung: Feine, lose Schuppen gehen oft mit einer trockenen Kopfhaut einher; dickere, fettige, fest haftende Schuppen mit einer fettigen.
- Rötung (Erythem) und Gefäßmuster: Diffuse Rötungen oder auffällige Anordnungen der Blutgefäße können Ausdruck einer Reizung oder Entzündung sein.
- Perifollikuläre Schuppung oder Rötung: Konzentriert sie sich direkt um die Follikelöffnungen, kann das auf eine Entzündung hindeuten und verdient Aufmerksamkeit.
- Gelbe Punkte, schwarze Punkte und Ausrufezeichenhaare: Diese trichoskopischen Zeichen sind mit bestimmten Erkrankungen wie der Alopecia areata verbunden und helfen der Fachperson, das Bild einzugrenzen.
- Verlust der Follikelöffnungen: Glatte Areale, in denen keine Öffnungen mehr zu erkennen sind, sind ein Warnzeichen für eine vernarbende Alopezie und sollten ohne Verzögerung dermatologisch abgeklärt werden, da der Follikel bei vernarbenden Prozessen dauerhaft verloren gehen kann.
Zustand des Haarschafts: Kutikula, Spliss und Haarbruch
Vergrößerte Aufnahmen der Haarlängen zeigen den Zustand der Kutikula (abstehende oder abgetragene Schuppen), Spliss und Bruchstellen. Dabei handelt es sich meist um kosmetische Befunde, die mit Hitze, chemischen Behandlungen, Reibung und Bürsten zusammenhängen und eher auf eine angepasste Haarpflege als auf eine Kopfhautbehandlung ansprechen. Sie sind dennoch wichtig, weil Haarbruch entlang der Länge häufig mit Haarausfall von der Wurzel verwechselt wird.
Scores, Momentaufnahmen und Verlauf über die Zeit
Viele digitale Geräte und Apps fassen die Aufnahme in einem Gesamtscore oder Index zusammen. Diese sind herstellerspezifisch: Jeder Anbieter legt selbst fest, was in die Zahl einfließt und wie es gewichtet wird, sodass sich ein Score des einen Systems nicht mit dem eines anderen vergleichen lässt. Fragen Sie nach, was der Score umfasst und welche Einzelwerte ihn bestimmen. Unser Artikel zur KI-Kopfhautanalyse und digitalen Trichologie erklärt, was eine automatisierte Aufnahme tatsächlich misst.
Unabhängig vom Format sollten Sie drei Grundsätze im Blick behalten:
- Ein Ergebnis ist eine Momentaufnahme. Haardichte und Telogen-Anteil schwanken mit Jahreszeit, Stress, Krankheit und dem Zeitpunkt in Ihrem Haarzyklus.
- Verläufe sind wichtiger als Einzelwerte. Die entscheidende Frage ist, ob sich die frontale Dichte, der Anteil miniaturisierter Haare oder der Telogen-Prozentsatz über Monate hinweg verändert.
- Vergleiche müssen unter gleichen Bedingungen erfolgen: dasselbe Kopfhautareal, dieselbe Beleuchtung und Vergrößerung und derselbe zeitliche Abstand zur Haarwäsche. Andernfalls kann die „Veränderung“ schlicht eine Veränderung der Bedingungen sein.
Was der Bericht nicht aussagen kann
Eine Analyse beschreibt Zeichen; sie erklärt sie nicht. Sie kann mehr Telogenhaare zeigen, aber nicht, ob die Ursache eine Schilddrüsenstörung, niedrige Eisenspeicher, ein Medikament oder eine kürzliche Erkrankung ist. Sie kann eine Miniaturisierung im typischen Muster des androgenetischen Haarausfalls zeigen, aber nicht Ihre Hormonwerte. Sie kann weder Vitamine noch Mineralstoffe noch Entzündungsmarker messen. Für solche Fragen kombiniert die Ärztin oder der Arzt Ihre Krankengeschichte mit Blutuntersuchungen oder, bei Verdacht auf einen vernarbenden Prozess, mit einer Kopfhautbiopsie (in der Regel eine 4-mm-Stanzbiopsie).
Die Diagnose stellt daher eine Fachperson, die die Bilder mit Ihrer Vorgeschichte, Ihrer familiären Vorbelastung, Ihren Medikamenten und bei Bedarf mit Laborergebnissen zusammenführt. Fragen, die sich bei Ihrem Termin lohnen:
- Welche Areale wurden gemessen, und gibt es eine okzipitale Referenz zum Vergleich?
- Welche Befunde sind in meinem Fall am wichtigsten, und welche liegen für meinen Haartyp im erwartbaren Bereich?
- Gibt es Zeichen einer Entzündung oder einen Verlust der Follikelöffnungen, die dermatologisch abgeklärt werden müssen?
- Empfehlen Sie Blutuntersuchungen, um nach einer Ursache zu suchen?
- Wann sollte die Analyse wiederholt werden, und unter welchen Bedingungen, damit die Ergebnisse vergleichbar sind?
Nächste Schritte nach Ihrem Haaranalyse-Ergebnis
Da der Haarzyklus langsam verläuft, brauchen Veränderungen Zeit, um sichtbar zu werden, und eine Kontrollanalyse wird meist im Abstand von einigen Monaten und nicht von einigen Wochen angesetzt. Bewahren Sie Ihre Berichte und Bilder gemeinsam auf, notieren Sie das Datum und den Abstand zur letzten Haarwäsche und bringen Sie vorhandene Blutwerte zur nächsten Kontrolle mit. Wenn in Ihrem Bericht Entzündungen, Zeichen einer Vernarbung oder eine rasche Veränderung erwähnt werden, die Sie sich nicht erklären können, suchen Sie eine Dermatologin oder einen Dermatologen auf. Wenn Sie sich eine begleitete erste Einschätzung Ihres Haars und Ihrer Kopfhaut durch eine trichologische Fachperson wünschen, ist die kostenlose Online-Einschätzung unserer Haarklinik anhand von Fotos und einem kurzen Fragebogen ein einfacher, unverbindlicher Einstieg.
Häufig gestellte Fragen
Es gibt keinen einheitlichen Wert. Die Dichte in Haaren pro cm² hängt von ethnischer Herkunft, Alter, Haarfarbe, Haartyp, dem gemessenen Areal und dem verwendeten Gerät ab. Vergleichen Sie Ihre Ergebnisse mit den Referenzwerten der Praxis oder des Geräts, von dem sie stammen, und achten Sie mehr auf den Verlauf über die Zeit und auf Unterschiede zwischen den Arealen Ihrer Kopfhaut als auf eine einzelne absolute Zahl. Ein höherer Anteil ruhender Haare bedeutet in der Regel, dass mehr Haare ausfallen als erwartet, etwa beim telogenen Effluvium, das häufig einige Monate nach einer Krankheit, einer Geburt, einer belastenden Lebensphase oder einer Medikamentenumstellung auftritt. Das Trichogramm zeigt den Haarausfall; die Ursache wird von einer Fachperson ermittelt, gegebenenfalls mit Blutuntersuchungen. Nein. Trichoskopie und Trichogramm beschreiben Haar und Kopfhaut; sie messen weder Eisen noch Vitamine oder Hormone. Auch Haarmineralanalysen sind kein zuverlässiges Mittel, um Mängel zu diagnostizieren. Für diese Fragen nutzt die Ärztin oder der Arzt Blutuntersuchungen und führt sie mit den Bildern und Ihrer Vorgeschichte zusammen. Häufig im Abstand von einigen Monaten, weil der Haarzyklus langsam verläuft und frühere Vergleiche eher normale Schwankungen als echte Veränderungen widerspiegeln können. Wiederholen Sie die Analyse im selben Areal, mit derselben Beleuchtung und demselben zeitlichen Abstand zur Haarwäsche, damit die Ergebnisse vergleichbar sind.Was ist eine gute Haardichte im Haaranalyse-Ergebnis?
Was bedeutet ein Trichogramm-Befund mit hohem Telogen-Anteil?
Kann eine Kopfhautanalyse einen Eisenmangel oder ein hormonelles Problem diagnostizieren?
Wie oft sollte ich die Haar- und Kopfhautanalyse wiederholen?
Dieser Artikel ist Teil unseres Ratgebers zum Thema Trichogramm und Trichoskopie. Ebenfalls lesenswert: Vorbereitung auf Trichogramm und Trichoskopie und Trichoskopie oder Kopfhautbiopsie.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Beratung. Die Produkte von SIMONE TRICHOLOGY sind Dermokosmetika und nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder ihnen vorzubeugen.














